Das Hannya Shingyo sagt:
"Kanzeon Bosatsu, sich in die Praxis vertiefend,
realisiert, dass die fünf Skandhas Leerheit sind, Ku."

Die fünf Skandhas, das sind Körper/Form, Wahrnehmung,
Empfindung, Wille, Bewusstsein. Dies sind gleichzeitig
die Grundelemente unserer Existenz.

"Leerheit" bedeutet, dass diese Elemente zusammenwirken
aufgrund der fundamentalen schöpferischen Kraft des
Universums und nicht einfach nur aus sich selbst, für sich allein.

Ein Aspekt dieser schöpferischen Kraft ist die wechselseitige
Abhängigkeit oder Bedingtheit. Darin manifestiert sich eine Energie
die allem zugrunde liegt. Und "Leerheit" ist gleichzeitig
der Raum und die Zeit, in der dies stattfindet.

Wenn wir in Zazen sitzen, ist dies wie die stille Verwirklichung
dieses Sutra, und wenn wir die Sutren mit diesem Hintergrund
rezitieren, werden sie Teil unseres Körpers, Teil unserer Existenz,
weit über das intellektuelle Verstehen hinaus.

Selbst der kleinste Teil der Schöpfung ist ein Wunder.
Das wird eigentlich im Hannya Shingyo ausgedrückt.
Wie Formen erschaffen werden und vergehen, wie Leben
erscheint und sich wandelt. Und unser Leben ist Teil
dieses Wunders. Doch in ihrer Unwissenheit neigen die Menschen
dazu, alles zu einer kleinen "Ich-Welt" zu reduzieren.

Also bringt das Hannya Shingyo eigentlich das Erwachen
zu dieser tiefsten Dimension des Lebens zum Ausdruck -
- Kanjisai Bosatsu gyojin...


Kusenheft „Die Präsenz des Geistes und das Wunder des Universums", Dojo Berlin, 2023, von L.Tenryû Tenbreul